Erwin Eugster
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Nachzucht

Stimulation
Entscheidend für die Nachzucht ist der naturnahe Wechsel zwischen 8-12 kühleren und trockeneren Wochen mit einer Lichtdauer von weniger als 12 Stunden und einer wärmeren und feuchteren Phase mit "längeren Tagen".
Der Wechsel zwischen solchen Trocken- und Nasszeiten kann heftig erfolgen in dem Sinn, dass die Terrarien am Ende der Trockenzeit an mehreren Tagen stark eingesprüht werden und an einigen Stellen Wasserlöcher entstehen können. Dies stimuliert die Tiere, die Männchen beginnen zu rufen und ein bis zwei Monate später sind die Weibchen bereit für die Gelege.
Begleitmassnahme zur Stimulation ist die vermehrte Fütterung mit verschiedenen Beutetieren. Ebenso kann – falls möglich – die Neudurchmischung von Zuchtgruppen hilfreich sein.

Gelege
Die meisten Arten (ausser M. Laevigata) bevorzugen für solche Gelege kleine Senken im Bodengrund nahe bei einer Stelle, an welcher das Wasser nicht abfliesst. M. aurantiaca und milotympanum laichen unter Mossflächen,  M. baroni, viridis und madagascariensis schaffen sich kleine Senken unter Rindenstücken. M. Expectata ist etwas spezieller: Ihre Gelege finden sich in bekiesten, flachen Bereichen, bevorzugt unter losen Rindenstückchen.
M. laevigata tanzt völlig aus dem Rahmen: Sie laicht in kleine Baumhöhlen und Blattachseln. Wer die (kannibalischen) Quappen dieser Art in einzelne Gefässe überführen will, kann Kokosnüsse halbieren und aushöhlen, eine Hälfte mit einem Eingangsloch (1 cm reicht) versehen und die Schalen aufeinander gestülpt im Terrarium platzieren. Im Innern sollte immer Wasser liegen, dann werden die Nüsse als Gelegeorte akzeptiert. Die Weibchen legen einzelne Eier an den Wasserrand. Sobald die Quappen fertig entwickelt sind, rutschen sie ins Wasser. Danach können sie in einzelne Gefässe ausserhalb der Terrarien verlegt werden.
Die Gelege der anderen Arten, welche ohne weiteres bis zu 60 Eiern umfassen können, entnehme ich den Terrarien, sobald die Entwicklung der Quappen sichtbar ist. Das Gelege kommt in eine Schale auf ein geneigtes Drahtgestell zu liegen, welches mit Küchenpapier verkleidet ist. Das Papier reicht bis in das einige Millimeter tiefe Wasser. Sobald die Quappen voll entwickelt sind, rutschen sie so ins Wasser.

Normalfall: M. Aurantiaca, Baroni, Madagascariensis, Milotympanum, Pulchra, Viridis

Grund eines kleinen Tales in Vohimana in der Trockenzeit (!) im August. Habitat von M. Baroni und Pulchra.

Im Vordergrund sind leichte Mulden zu sehen. Diese füllen sich in der Regenzeit mit Wasser. Tropische Regengüsse schwemmen einerseits frisch geschlüpfte Quappen in die Mulden, spülen diese andererseits regelmässig durch. Quappen von M. Baroni und Pulchra ernähren sich in diesen Tümpeln offensichtlich von Laub, zerfallenden Holzstückchen und allenfalls von Kleinst- und Mikrolebewesen.

(Ganz anders M. Expectata
Ihre Gelege finden sich in kiesigen Untergründen, von wo die Quappen in felsigere Dellen gespült werden.)

   
Sonderfall Mantella laevigata

Kokosnuss als Ersatz für eine Baumhöhle. Als Zugang wird ein Loch von ca. 1 cm Durchmesser ausgebohrt.


Mit Silikon abgedichtete untere Hälfte der Kokosnuss. Am Wasserrand links ein befruchtetes Ei. Oben links eine bereits geschlüpfte, noch weisse Quappe mit Dottersack.  

Haltung der Quappen
Die Haltung von M. laevigata ist völlig unproblematisch: "Einzelhaft" in kleinen Gefässen, Fütterung mit Terra Crisps, pro Woche ein Wasserwechsel, wobei man Regen- oder Aquariumwasser nehmen kann.
Die anderen Quappen sind heikler: Regenwasser ertragen sie in der Regel nicht. Ich nehme 80% Osmosewasser mit 20% Leitungswasser (>25dHG) und puffere das Wasser, das nun knapp 5dHG aufweist, mit einigen Erlenzapfen pro 10 Liter. Isländisch Moos und dürre Eichen- oder Seemandelbaumblätter verbessern die Wasserqualität zusätzlich. Möglichst vegetarisches Futter auf Spirulina-Basis verhindert, dass die Quappen mit geblähten Därmen eingehen. Sehr gute Erfolge und kaum Ausfälle habe ich mit Sera ImmunPro Mini Nature.
Staubfutter, welches für Jungfische angeboten wird, hat sich ebenso wenig bewährt wie die im Handel angebotene Nahrung für Quappen von Dendrobaten. Achtung:  Überfütterung kann ganze Bestände vernichten.
Ich halte Gruppen von rund 8 Quappen pro Litergefäss. Die möglichst täglichen Wasserwechsel sind eine etwas mühsame Sache, welche zudem die Quappen unnatürlich stressen könnten. Jüngst haben Versuche Erfolge gezeigt, die natürlichen Senken, in welchen die Quappen im Regenwald geschwemmt werden, zu imitieren. In einem 30-Liter-Becken, in welchem Aquarientechnik für eine milde, gefilterte Strömung sorgte, konnte ich problemlos über 50 Quappen halten – bei nur einem Teilwasserwechsel pro Woche.  

Jungtiere
Sobald die Quappen Vorderbeine zeigen, müssen sie in ein Gefäss mit Ausstiegsmöglichkeit verlegt werden. Jungfrösche können 24 Stunden nach dem Durchbruch der Vorderbeine bereits ertrinken!
Während der ersten Monate halte ich die Nachzuchten in gut belüfteten Plastikdosen von ca. 15x15 cm. Als Untergrund dient zu 80% Filtermatte und 20% Weisstorf (Luftfeuchtigkeit!). Laub und Sphagnum bieten Verstecke. Die jungen Frösche füttere ich mit Springschwänzen, später zusätzlich mit Erbsenblattläusen und Kleinst-Drosophilas ("Ameisen").
M. laevigatas sind auch hier unkomplizierter: Sie bleiben bisweilen nach Durchbruch der Vorderbeine noch tagelang im Wasser und können danach sofort mit Drosos gefüttert und auf Weisstorf mit Kiesdrainage gehalten werden.

 
Gelege von M. aurantiaca

Das Männchen (hinten links) hat unter 3 cm losem Sphagnum eine kleine Mulde für das Gelege gegraben. Wichtig: Stehendes Wasser in der Nähe des Geleges.
 
 
Entnahme des Geleges ca. 5 Tage nach der Ablage

Die embrionale Entwicklung der Quappen ist nun schon gut von Auge sichtbar. Das Gelege kommt auf ein mit Haushaltpapier ausgekleidetes Drahtgerüst zu stehen.
 

 
Gelege nach ca. 7 Tagen

Manche Quappen sind weitgehend entwickelt mit grossem weissem Dottersack. Die Galertmasse beginnt, sich zu verflüssigen.
 

 
Gelege nach rund 10 Tagen

Die Quappen zappeln regelmässig. Da sich die Galerte weiter verflüssigt hat und die Schwerkraft wirkt, "schwimmen" die nun stärker grau verfärbten Quappen langsam Richtung Wasser (unten im Bild). Dabei bewegen sie auch unbefruchtete Eier oder unterentwickelte Quappen zum Wasser. Diese müssen sofort entfernt werden. Sonst droht eine rasche Verpilzung des Wassers.
 

 
Quappen ca. 1 Monat alt
 
 
Quappen unmittelbar vor dem Landgang

Charakteristisch ist das Kreuz am Rücken. Sobald die Vorderbeine durchgebrochen sind, müssen die Quappen innert Stunden an Land gehen können.
 



Landgänger


Jungfrösche M. Aurantiaca und M. Madagscariensis nach einigen Wochen 
 
Jungtiere von M. Viridis nach 5 Monaten

....zusammen mit einer verirrten M. Aurantiaca...
 

 
M. Expectata nach rund 5 Monaten
 

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